Ziele und Inhalte der Arbeit im Fachseminar Wirtschaft

Die Fachseminare der beruflichen Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung werden von zur Zeit  insgesamt 8 Fachleiterinnen und Fachleitern angeboten. Bei einer 18monatigen Ausbildung nehmen die Referendare an ca. 120 Stunden Fachseminar-Veranstaltungen teil. Schwerpunkt der Ausbildung im Fachseminar Wirtschaft ist die Planung, Durchführung und Reflexion des Unterrichts in Berufsschul- und Vollzeitklassen des Berufsfeldes Wirtschaft und Verwaltung. Dabei stehen konkrete Hilfen für die Unterrichtspraxis im Vordergrund.

Die Fachseminarveranstaltungen finden regelmäßig alle 14 Tage und im Rahmen einer Modulphase, die jährlich im Januar/Februar durchgeführt wird, statt.

Die Ausbildung erfolgt sowohl teilnehmer- als auch kompetenzorientiert. Die Fachleiterinnen und Fachleiter unterstützen die Referendarinnen und Referendare in den Fachseminarveranstaltungen dabei, die unten aufgeführten Kompetenzen zu erwerben bzw. zu fördern.

Die Inhalte der Fachseminararbeit werden mit den Bedürfnissen der Seminarteilnehmer abgestimmt und beziehen sich im Wesentlichen auf die im Folgenden aufgeführten Kompetenzbereiche:

Kompetenzbereiche

Die formulierten Kompetenzen stellen einen Erwartungshorizont dar, den die Studienreferendarinnen und Studienreferendare der beruflichen Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung mit Unterstützung des Seminars, insbesondere des Fachseminars Wirtschaft, am Ende ihrer Ausbildung erreicht haben.

2.1 Kompetenzen zu Beginn des eigenverantwortlichen Unterrichts

  • Die Leitidee der Handlungsorientierung kennen
  • Beispiele aufzählen, die eine der Leitidee der Handlungsorientierung entsprechende unterrichtliche Umsetzung aufzeigen
  • Die Prinzipien der Handlungsorientierung in ersten Übungen und Unterrichtsversuchen bzw. Planungsskizzen berücksichtigen
  • Mindestens ein didaktisches Strukturmodell (z. B. Lernschleifenmodell von Arnold/Müller, Tramm, ...) kennen und auf dessen Grundlage erste Planungsschritte eines handlungsorientierten Unterrichts vollziehen
  • Eine gemeinsam besuchte Unterrichtsstunde kriteriengeleitet auswerten
  • Anhand eines konkreten Beispiels  Stundenverlaufsplanungen in Anlehnung an ein didaktisches Modell erstellen
  • Stundenverlaufspläne für Themen aus dem eigenen zukünftigen Ausbildungsunterricht erstellen
  • Bei der Unterrichtsplanung die vorliegenden curricularen Grundlagen (RLP, Richtlinien), schulische Lehrpläne und weitere curriculare Vorgaben der Ausbildungsschule (Konferenzbeschlüsse, Vereinbarungen zwischen Kollegen, ...) berücksichtigen
  • Bei der Unterrichtsplanung geeignete Methoden und Medien auswählen und begründen
  • Ziel- und Inhaltsstrukturen für EVU auf der Grundlage der curricularen Vorgaben erstellen und Termine für Klassenarbeiten oder andere Leistungsbewertungen festlegen
  • Eine Übersicht der eigenen Kriterien der Leistungsbewertung erstellen und den Schülerinnen und Schülern vorstellen

 

2.2 Kernkompetenzen nach Abschluss der Ausbildung

2.2.1 Kompetenzbereich: Leitidee der Handlungsorientierung/ Fachdidaktische Standards

  • Ausgangssituationen modellieren
  • Modellunternehmen auf ihre Eignung überprüfen und nutzen
  • Kriterien für die Gestaltung von Modellunternehmen kennen
  • Lernabschnitte prozessorientiert und integrativ (Rewe, VWL, kfm. Rechnen) sequenzieren
  • Phasen der Systematisierung und Begriffsbildung angemessen berücksichtigen  und Transfer sicher stellen
  •  Methoden und Medien zielgerichtet, inhaltsrichtig  und variantenreich einsetzen
  • DV-Tools (Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Präsentationssoftware) sinnvoll integrieren

2.2.2 Kompetenzbereich: Lernfeldorientierung/Unterrichtsplanung

  • Den Weg von dem Lernfeld zur Lernsituation auf der Grundlage von fachdidaktischen Standards exemplarisch umsetzen, reflexiv beschreiben und auf andere Lernfelder/Lerngebiete übertragen
  •  Zu fördernde Kompetenzen und berufliche Handlungssituationen aus curricularen Rahmenbedingungen identifizieren, lerngruppenspezifisch planen, umsetzen und zielorientiert reflektieren 
  • Makrosequenzen erstellen (auf der Grundlage von curricularen Vorgaben / Lernfeld) und die Modellierungskriterien (didaktische Modelle, Bsp. Tramm u.a.) berücksichtigen
  • Phasen der Kasuistik und Systematik ausgewogen integrieren, d.h. sensibilisiert sein für das Spannungsfeld von Kasuistik und Systematik
  • Ausgewählte Lernerfolgskontrollen kennen und zielgerichtet einsetzen (FK, MK, SK)
  • Erstellungsgrundsätze und Bewertungsprinzipien für Leistungskontrollen anwenden
  • Geschäftsprozessorientierung berücksichtigen, d.h. Teilprozesse identifizieren und strukturieren
  • Lernsituationen entwickeln, die die Zusammenhänge zwischen dem Rechnungswesen (Finanzbuchhaltung, KLR und Controlling) als Informationssystem und als Basis betriebswirtschaftlicher Entscheidungen berücksichtigen
  • Lernsituationen aus Lernfeldern mit volkswirtschaftlichem Charakter entwickeln. Dabei werden das Denken in Modellen und die Bezüge zwischen volkswissenschaftlichen Betrachtungsweisen und gesellschaftlichen Erfordernissen deutlich

2.2.3 Kompetenzbereich: Unterrichtsdurchführung

  • Die Unterrichtsstunde im Gesamtzusammenhang der Makrosequenz darstellen („roter Faden“, Transparenz, Wissensstruktur)
  • Zielorientiert vorgehen (Anweisungen, Aufgabenstellungen, Methoden, Medien,  Sozialformen, Ordnungsrahmen)
  • Den Unterricht phasengeleitet lenken (Einstieg, Prozessbegleitung, Systematisierung/Auswertung, Sicherung/Kontrolle, Reflexion)
  • Angemessen kommunikativ handeln (Frage- und Impulstechnik, Moderation, Visualisierung)

2.2.4 Kompetenzbereich: Reflexion

  • Die eigene Unterrichtsplanung und –durchführung reflektieren und für das zukünftige unterrichtliche Handeln nutzbar machen

 

Optionale Kompetenzen

(Unterstützung erfolgt teilnehmerorientiert durch Fachseminar- und  Modulveranstaltungen)

  • Geschäftsprozesse softwaregestützt (z. B. mit ARIS) modellieren und optimieren
  • Eine Business-Software (integrierte Unternehmenssoftware wie Lexware, Sage, Navision oder SAP) für die Finanzbuchhaltung und für die Steuerung von Prozessen (Beschaffung, Absatz, Personalwesen) einsetzen
  • einen Basisdatenbestand für ein Modellunternehmen (Debitoren, Kreditoren, Sachkonten, Bilanz, GuV-Rechnung, Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger) zusammen stellen
  • die Grundzüge des Wirtschaftsinstrumentellen Rewes (Allgemeines Unternehmensmodell, Arbeiten mit Belegen, Fibu, KLR und Controlling parallel, Angleichen der Buchwerte an die Istwerte im Anfangsunterricht, ...) kennen und die Modellierungsmethode oder die Bilanzmethode für die Vermittlung der Buchungsregeln verwenden
  • Als Alternative zum traditionellen Rechnungswesenunterricht die Verknüpfung zwischen der Finanzbuchhaltung und betrieblichen Geschäftsprozessen (Debitorenbuchhaltung mit der Auftragsbearbeitung, Kreditorenbuchhaltung mit dem Bestellwesen, Entgeltbuchungen mit dem Personalwesen, Lagerbuchhaltung mit der Materialwirtschaft) bei der Unterrichtsplanung berücksichtigen
  • Für unterschiedliche Schwerpunkte der KLR  (Vollkosten- und Teilkostenrechnung, Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, Plankosten- und Prozesskostenrechnung) und für unterschiedliche Modellunternehmen (Einzelhandel, Großhandel, Industrie, ..) Lernsituationen entwickeln, die für die Analyse der Daten den Einsatz von Tabellenkalkulationssoftware vorsehen
  • Ausprägungen ökonomischer Modellierungen (insbesondere „Lernbüro“ und „Wirtschaft-Live-Unternehmen“) beschreiben sowie Chancen und Grenzen ihres Unterrichtseinsatzes in Wirtschaftspraxis beurteilen
  • Didaktische Prinzipien zur Ausgestaltung von Modellunternehmen in Wirtschaftspraxis (u.a. Orientierung an unternehmerischen Zielsetzungen, stimmige und ökonomisch glaubwürdige Modellierung, IT-Einsatz unter Einbezug von kaufmännischer Standardsoftware, funktionsfähiges Rechnungswesen) erläutern und vor Ort bestehende Lernsituationen daran überprüfen
  • Kundenberatungsgespräche initiieren und auswerten
   
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